Chronik

Der Reitverein "Graf v. Schmettow" e.V.

Standarte Pferdesport und Pferdezucht gehören zusammen, das eine hat ohne das andere keinen Bestand. So war es nur folgerichtig, daß rund um die Deckstelle Otersen ein Reitverein entstand, der Reitverein Graf v. Schmettow. Wie es zur Gründung kam ist in der 1982 erschienen Chronik zum 60jährigen Bestehen des Reitvereins anschaulich beschrieben: "Landwirte, die vor dem 1. Weltkrieg (1914-1918) Pferde auf dem Hof hatten und selber züchteten, legten großen Wert darauf, daß ihre Söhne bei einem berittenen Truppenteil dienten. Nach der Reitvorschrift (RV) erhielt der junge Soldat eine gründliche Ausbildung, die eine sichere Beherrschung des Pferdes forderte. Nach dem Krieg entfiel durch Beendigung der Wehrpflicht die breite Basis der Reitausbildung. So mußte man sich selbst helfen und überall auf dem weiten Land entstanden die ländlichen Reitvereine."

Im Landkreis Verden war der Reitverein "Aller-Weser" bereits 1920 gegründet, er umfaßte ein großes Gebiet der Marsch zwischen Aller und Weser, aber auch Teile der Geest und hatte eine hohe Mitgliederzahl. Züchter und Landwirte aus dem Umfeld der Deckstelle Otersen wünschten sich einen eigenen kleinen Verein mit der Betonung der Geest, weil sie die Auffassung vertraten, daß ihre Pferde härter und eleganter als die in der Marsch gezogenen seien.

So trafen sich im Frühjahr 1922 (das genaue Gründungsdatum wurde leider nicht überliefert) in der Gastwirtschaft Rengstorf in Hohenaverbergen 18 Männer um einen Reitverein zu gründen, der das Gebiet Borstel - Eitze - Luttum - Armsen - Hohen- und Neddenaverbergen - Stemmen - Wittlohe - Otersen - Klein und Groß Häuslingen umfassen sollte. Gründungsmitglieder aus Nedden waren Hermann Clasen, Dietrich Storch und Johann Tietje. Letzterer wurde Schriftführer, während Fritz Heemsoth aus Hohenaverbergen als Vorsitzender die Führung des Vereins übernahm.

Der Name Graf v. Schmettow

Der Verein erhielt den Namen "Reitverein für den Geestbezirk des Kreises Verden". Der Vereinszweck wurde in der Hebung des Reitsports zur Förderung der Warmblutzucht gesehen. Wann der Verein seinen jetzigen Namen erhalten hat, steht nicht fest, wohl aber die Umstände, die zur Namensänderung führten. Der ursprüngliche Name stellte sich mit der Zeit als zu lang, zu umständlich und wenig griffig heraus. Es war zu der damaligen Zeit durchaus üblich, Reitvereine nach ihrem Einzugsbereich oder nach einer "bekannten Reiterfigur der älteren, aber auch der jüngsten Geschichte" (GRAF V. SCHMETTOW 1982) zu benennen. Die erste Idee, den Namen "von Zieten" , nach dem Reitergeneral Friedrichs des Großen, zu nehmen, wurde wieder verworfen, da schon ein anderer Verein im Raum Hannover diesen Namen führte. Schließlich wurde dem Vorschlag Friedrich Bokelmanns aus Armsen, den Verein nach Eberhard Graf v.Schmettow (1861 - 1935) zu benennen, stattgegeben. Graf v. Schmettow entstammte einem alten schlesischen Geschlecht, das viele Staatsbeamte, Offiziere und Landwirte hervorgebracht hat. Er war Kommandeur des Leib-Kürassier-Regiments in Breslau und später Brigade-Kommandeur der Leib-Husaren-Brigade in Danzig-Langfuhr. 1902 ernannte ihn Kaiser Wilhelm II. zu seinem diensttuenden Flügeladjutanten. Im ersten Weltkrieg tat er sich mit dem Kavalleriekorps seines Namens insbesondere mit Einsätzen in Rumänien hervor. In der Chronik des Reitvereins wird Graf v. Schmettow als umsichtige, gradlinige und verständnisvolle Führungspersönlichkeit , vorzüglicher Reiter und Förderer des Reitsports geschildert.

Durch glückliche Umstände gelangte aus der gleichen Familie Bolko Graf v. Schmettow in den Kreis Verden und ließ sich in Diensthop nieder. Von Beginn an engagierte er sich im Verein, so daß er auf der Jahreshauptversammlung 1979 zum Schirmherrn gewählt wurde. Die 1982 verfasste Chronik, auf die in dieser Abhandlung so häufig zurückgegriffen wird, stammt aus seiner Feder.

Interessanterweise gibt es im Rheinland ebenfalls einen Reitverein, der den Namen "Graf von Schmettow" trägt. Der Sitz ist in Eversahl bei Rheinberg und das Besondere ist, daß dies der Stammverein von Isabell Werth, der vierfachen Olympiasiegerin in der Dressur, ist. Im Laufe der Jahre entwickelten sich freundschaftliche Beziehungen zwischen den Vereinsführungen der beiden Namensgleichen. Man besucht sich gegenseitig bei besonderen Anlässen. So nahm im Jahr 2000 auch eine Abordnung des Kreisverdener Reitvereins Graf v. Schmettow, bestehend aus Gerd Clasen, Ursula Henke-Röse mit Mann Jürgen Röse (alle Nedden), Dorothea Schröder, Ihlden und Klaus-Hermann Hoops, Luttum am Empfang der Olympiasiegerin in ihrer Heimatgemeinde teil.

Besonders schwierig waren für den Verein die 30er und 40er Jahre. Lassen wir auch wieder den Chronisten sprechen: "Mit dem Jahr 1933 traten langsam, aber stetig, tiefgreifende Veränderungen ein, die auch das Vereinswesen trafen, so daß die Aktivitäten des Reitvereins eingeengt und schließlich zum Erliegen kamen. Im Herbst 1933 wurden alle Reitvereine im Reich in die SA-Reiterei überführt, die Vereine im Landkreis wurden von dem SA-Reitersturm Verden übernommen. Bei Turnieren und Aufmärschen durfte ab 1934 nur noch in SA-Uniform geritten und nicht der Name des Reitvereins genannt werden. Die Erinnerung aber an den Verein bestand unter den ehemaligen Mitgliedern weiter; und wenn die SA-Reiter statt des verhaßten Fußdienstes in der Kneipe saßen, dannwurden die vergangenen Rennen, Turniere und Jagden im Geiste alle nochmals geritten.
Nachdem die jungen Männer zum Arbeitsdienst und dann zur Wehrmacht einberufen wurden, wo sie oft keine Gelegenheit mehr fanden in den Sattel zu steigen, verringerte sich in den Dörfern die Reiterei immer mehr, bis sie mit Ausbruch des Krieges 1939 ihr Ende fand."

Nach dem zweiten Weltkrieg kam die Vereinsarbeit nur langsam wieder in Gang. Die englische Besatzungsmacht mußte ihr Einverständnis zur Neugründung des Vereins geben. Dies erfolgte zwar im Jahr 1947, allerdings wurde der alte Name "Graf v. Schmettow" nicht genehmigt. So entstand die Bezeichnung "Club der Pferdefreunde Otersen", ein Name allerdings, der nur auf dem Papier stand, denn unter den Reitern war der alte Name gebräuchlich. Es war auch nur ein kurzes Intermezzo, denn mit der Gewährung der Vereinsfreiheit durch die britische Militärregierung im Jahr 1949 wurde der ursprüngliche Name wieder verwendet .

Der Lohberg

Zu einem Mittelpunkt der Vereinsaktivitäten wurde der von Wald eingerahmte Platz auf dem Lohberg. In den 20er Jahren wurde der Platz hauptsächlich zur Abhaltung von Rennen genutzt. Die Flach-und Jagdrennen waren ausgeflaggt und gingen über verschiedene Distanzen. Nach der Bepflanzung des Platzes mit Kiefern fanden keine Renntage mehr statt, dafür mehr und mehr Reitturniere. Nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte der Ausbau zu einem richtigen Turnierplatz. Dazu wurde u.a. auf dem Turnierplatz Rasen eingesät und ein Richterhäuschen gebaut. Nachdem das erste, aus Fachwerk erstellte baufällig wurde, mauerte Hermann Ruepke, Südkampen, ein neues, massives Haus.

Der Platz gehörte Alfred Heemsoth, Hohenaverbergen, der ihn dem Reitverein zunächst unentgeltlich, später für eine geringe Pachtsumme zur Verfügung stellte. Heute gehört der Platz Enkeltochter Susanne Baars und ihrem Mann Carsten Hinrich. An der guten Tradition der Nutzung des großzügigen Geländes durch den Reitverein hat sich dadurch nichts geändert.

Die zentrale Veranstaltung des Vereins ist das große Turnier auf dem Lohberg. Das erste Turnier nach dem zweiten Weltkrieg fand an Pfingsten 1948 statt. Für 120 Pferde wurden 400 Nennungen in 17 Prüfungen abgegeben. Mit rund 4000 Besuchern war das Turnier ein überwältigender Erfolg. Mit zum Programm gehörten in den ersten Nachkriegsjahren stets 1-2 Flachrennen für Warmblutpferde, die über eine Distanz bis zu 2000 Metern gingen. Seit dem Jahr 1950 wurden keine eigenen Turniere mehr ausgerichtet, da der Kreisreiterverband seine Turniere in Zusammenarbeit mit dem Reitverein Graf v. Schmettow auf dem Lohberg durchführte. Aus der Chronik geht hervor, daß erst seit dem Jahr 1967 wieder eigene Turniere durchgeführt werden, als fester Termin hat sich das erste Wochenende im Juli etabliert. Das Lohbergturnier hat sich in der Zwischenzeit zu einem der bedeutendsten ländlichen Turniere in Niedersachsen entwickelt, wozu neben der guten Organisation und der Einsatzfreude der Vereinsmitglieder der herrlich gelegene Turnierplatz nicht unwesentlich beiträgt. So wurden im Jahr 1999 53 Prüfungen ausgeschrieben. Dafür wurden 790 Pferde für 1916 Starts genannt. Qualitativ einen Sprung nach vorne machte das Turnier im Jahr 2000. Erstmals wurde ein S-Springen ausgeschrieben, für das einige der erfolgreichsten Reiter des Landes nannten. Großes Interesse fand außerdem das erstmals durchgeführte Fohlenchampionat, zu dem sich die ca. 60 besten Fohlen aus den umliegenden Pferdezuchtvereinen qualifizierten. Im Jahr 2001 wurden ein zweites S-Springen durchgeführt. Außerdem erhielt das Lohbergturnier den Zuschlag für die Bundeschampionatsqualifikation für 5jährige Springpferde.

Zu den regelmäßigen Vereinsaktivitäten zählen ein Frühjahrsausritt, der einst an Pfingsten, mittlerweile stets am Ostermontag durchgeführt wurde bzw. wird. Ein Reitertag im Frühjahr für junge Reiter und junge Pferde zählte über viele Jahre zu den festen Terminen, ruhte dann viele Jahre und ist ab 2001 in der neu gebauten Reithalle des stellvertretenden Vorsitzenden Heinz Hermann Hoops in Luttum wieder aufgelebt. Im Spätsommer ist dann die Hubertusjagd ein weiterer Höhepunkt im Vereinskalender. Um die Jahrtausendwende herum war die Neddener Jagd häufig die Eröffnungsjagd für die Niedersachsenmeute. 1999 war das Stelldichein erstmals der Dorfplatz in Nedden, von dem aus Reiter, Pferde, Hunde und Begleitfahrzeuge zum Lohberg zogen. Ein farbenprächtiges Bild. Um die Jagd hat sich vor allem Klaus Maronde aus Nedden verdient gemacht, der diese Veranstaltung schon seit vielen Jahren vorbereitet.

Mit der Vielzahl seiner Pferdezuchtbetriebe und der Nähe zum Turnierplatz hat sich Nedden immer mehr als Zentrum des Vereins herausgebildet. Dies wird auch personell deutlich in den Vereinsvorsitzenden. Seit über 30 Jahren kommt der erste Vorsitzende aus Nedden:

Günter Dittmer 1969 - 1985
Fritz Badenhoop-Clausen 1985 - 1999
Gerd Clasen 1999 - 2010
Malte Kanz 2010 - 2014
Ralf Pendias 2014 - 2018
Frauke Dettmer seit 2018